Die Sache mit derGeschwindigkeit

Worum geht es in diesem Artikel?

  • Technische Faktoren: Welchen Einfluss das Equipment und das Setup auf die Geschwindigkeit haben.
  • Schusstechnische Faktoren: Welchen Einfluss die Schusstechnik (Auszug und Lösen) hat.

Sch ...., der Pfeil ging schon wieder zu tief. Das kann jedem passieren. Aber oft weiß man selbst nicht, warum das gerade jetzt passiert ist. War es die Entfernung? War es der Auszug? Oder war es ganz was anderes?
Die Geschwindigkeit des Pfeils und damit seine Trefferlage bezüglich der Höhe hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Technische Faktoren

Bogenart (Langbogen, Recurve)
Bogenstärke
Bogengewicht
Standhöhe
Pfeilgewicht
Pfeildurchmesser
(cw-Wert des Pfeils)
Federngröße
Seehöhe


An den technischen Faktoren wird man während des Schießens wenig ändern können. Man kann maximal die Standhöhe ändern. Wer aber einen schnellen Bogen will, muss sich bereits beim Kauf seines Equipments damit beschäftigen. Dabei ist die Abwägung zwischen den Parametern des Bogens und der Pfeile notwendig. Hier einige generelle Aussagen:

Ein Langbogen in Glas-Carbon-Bauweise ist schneller als ein Selfbow in Holzbauweise.
Ein Recurve ist schneller als ein Langbogen.
Ein kurzer Bogen ist schneller, als ein langer.
Eine hohe Standhöhe verlangsamt den Bogen.
Pfeile mit kleinen Federn sind schneller.
Schwere Pfeile sind langsamer.
Dicke Pfeile sind langsamer.
Ein schwerer Bogen ist schneller, als ein leichter. Da sich ein leichter Bogen beim Abschuss leichter mit nach vorne bewegt, nimmt er dem Pfeil Geschwindigkeit.
Faustregel: Pfeilgeschwindigkeit erreicht man eher über ein geringeres Pfeilgewicht, als durch einen stärkeren Bogen.


Dazu muss aber gesagt werden, dass Geschwindigkeit nicht alles ist. Ein traditioneller 3-D-Schütze braucht zwar auf weite Entfernungen eine möglichst flache Flugbahn, wichtig ist aber auch die Genauigkeit. Und die erreicht man unter Umständen durch Kompromisse, die man beim Equipment eingeht.

Schusstechnische Faktoren

Auszug
Art des Lösens


Bei den schusstechnischen Faktoren hat man hingegen sehr wohl einen Einfluss. In der Ausgabe 2/2018 haben wir den Einfluss des Auszugs auf Geschwindigkeit und Trefferlage mit einer Schussmaschine untersucht. Die dabei festgestellten Abweichungen waren überraschend groß. Die rechts dargestellten Grafiken verdeutlichen das am Beispiel eines Recurves mit 40 Pfund. Ein solcher Bogen ist eigentlich sehr oft anzutreffen. Der Geschwindigkeitsverlust ist beachtlich. Bei einem Normalauszug von 29 Zoll verliert man pro Zoll weniger Auszug rund 10 fps (rd. 11 km/h). Und bei der Höhenlage ist es nicht anders. Bei 40 Meter trifft der Pfeil bei zwei Zoll weniger Auszug rd. 24, bei drei Zoll gleich rund 44 Zentimeter zu tief.

Wer mit gebeugtem Arm schießt, wird den Auszug nie konstant halten können. Man hat zwar das Gefühl, im Anker und damit im Vollauszug zu sein, der Auszug variiert aber. Das kann durch zu wenig Training passieren, aber auch bei Ermüdung wird der Arm unterschiedlich abgewinkelt.

Bei Bergauf- und Bergabschüssen hat man das gleiche Problem. Steht man nicht im T, wird der Auszug dadurch kürzer. Auch hier hat man das Gefühl, dass man voll im Auszug ist. Leider ist dem nicht so. Dazu kommt noch, dass man bei solchen Schüssen nicht in eine gute Rückenspannung gehen kann. Die Hebel stimmen dabei nicht. Und das hat Auswirkungen auf den nächsten Punkt, das Lösen.

Zu kurzer Auszug

Pfeil:
Ein, zwei Zoll mehr oder weniger Auszug sind bei unsauberer Schusstechnik schnell zusammen.
Beispiel Recurve

Win&Win EX Power
40 Pfund
68 Zoll lang
275 Grain Pfeilgewicht


Geschwindigkeit
Auch die Geschwindigkeit beim Recurve-Testbogen steigt fast linear an. Hier verliert der Bogen von 28 auf 27 Zoll 13 fps. Sonst sind es Zu- bzw. Abnahmen von rund 10 fps pro Zoll. Geschwindigkeit und Abweichung bezüglich der Höhe laufen aber deswegen nicht parallel.

Auszugsdiagramm (nicht abgebildet)
Von 25 bis 30 Zoll Auszug verläuft beim Testbogen die Auszugskurve parallel zur Kraftlinie. Der Bogen zeigt damit kein Stacking.

Mehr Auszug
Die Auswirkungen beim Recurve sind wesentlich stärker als beim Langbogen. 1 Zoll mehr Auszug zeigt einen Unterschied auf 30 und 40 m von 5 cm.

Weniger Auszug
1 Zoll weniger Auszug wirkt sich ähnlich aus. Bei 2 Zoll weniger Auszug ist das Ergebnis ähnlich dem Langbogen. Rund 33 cm tiefer trifft der Pfeil auf 40 m.

Hier sieht man den Unterschied zwischen IFAA- und WA-Entfernungen (IFAA bis 54 m, WA bis 30 m). Während bei WA sich Fehler nicht so gravierend auswirken, ist das bei IFAA-Entfernungen anders. Noch dramatischer wird es auf 54 m.
Abgewinkelter Bogenarm:
Ist der Bogenarm unterschiedlich abgewinkelt, ist der Auszug und damit die Geschwindigkeit unterschiedlich.
Bergauf- und Bergabschüsse:
Stimmt das T nicht, hat man zu wenig Auszug und kommt nicht optimal in die Rückenspannung.

Lösen

Löst man richtig, sollte die Hand automatisch, also nicht aktiv, nach hinten gehen, eher schnellen. Das erkennt man daran, dass die Hand am Gesicht bleibt und in die Gegenrichtung des Pfeilflugs geht. Wie weit, hängt von der Bogenstärke und der Rückenspannung, ab

Auch die Art, wie man den Pfeil löst, hat Einfluss auf die Geschwindigkeit. Löst man nach vorne, verliert man logischerweise eine Menge fps. Ähnliches gilt für alle anderen falschen oder ungünstigen Arten.

Lösen:
1:
Die Hand bleibt im/am Gesicht und schnellt automatisch nach hinten.
2: Geht die Hand nach vorne, nimmt das viel Geschwindigkeit.
3: Auch andere Lösefehler wirken sich auf die Geschwindigkeit aus.

1...21