Die Easton Story

Greg und Jim Easton
Greg und Jim Easton

Die Firma Easton befindet sich immer noch im Familienbesitz. Sie besteht eigentlich aus zwei Unternehmen. Zum einen ist es Hoyt Archery, der wohl größte Bogenhersteller der Welt und zum anderen Easton Technical Products, der wohl größte Pfeilanbieter. Beide Unternehmen haben den Sitz in Salt Lake City. Easton Technical Products beliefert auch die Militär-, Medizin- und Outdoor-Sportindustrie mit hochfesten Kohlefaser- und Aluminiumprodukten. Hoyt und Easton werden als unabhängige Unternehmen von Jas. D. Easton, Inc. geführt.

Im Jahr 1922 begann Doug Easton in Watsonville, Kalifornien, Holzbögen und Zedernpfeile herzustellen. Obwohl Doug Pfeile mit Spleiß aus Zedernholz für die damaligen Turnierschützen herstellte, war er ständig über die Qualität von Holzschäften frustriert. Überzeugt, dass es unmöglich war, gerade und einheitliche Pfeilschäfte aus Holz herzustellen, wandte Doug seine Aufmerksamkeit dem Aluminium zu. 1939 begann er in Los Angeles Aluminiumpfeile herzustellen.

Seine Vermutung in Bezug auf dieses Material war richtig. Im Jahr 1941 gewann der kalifornische Bogenschütze Larry Hughes die nationale Meisterschaft mit Dougs Aluminiumpfeilen. Dies war der Beginn eines Trends, der das bisherige Bogenschießen verändern und in den folgenden 50 Jahren auch so bleiben sollte.

Ein großer Teil von Easton ist die Bogensportabteilung. Easton ist weltweit führend in der Pfeilproduktion, was sich in der Anzahl der Top-Schützen widerspiegelt, die Easton-Pfeile verwenden. Nach Eastons Erfolgen mit Aluminium-Carbon-Schäften wie dem ACC und ACE machte man sich daran, einen Pfeil speziell für den Einsatz bei den Olympischen Spielen zu entwickeln. Der Easton X10 wurde für den Einsatz bei den Spielen 1996 in Atlanta entwickelt. Es handelt sich dabei um einen mit Carbon umwickelten Aluminiumschaft. Das Carbon ist gebarreld, was bedeutet, dass es im mittleren Bereich des Schafts dicker ist und sich zu beiden Enden hin verjüngt. Es ist ein sehr dünner Schaft, was bedeutet, dass er nicht so stark vom Wind beeinflusst wird.

Neben Pfeilen stellt Easton auch noch andere Produkte, wie Aluminium-Baseball- und Softballschläger, Hockeyausrüstung und -bekleidung her. Auch produziert man ein umfangreiches Sortiment an Fahrradkomponenten, darunter Gabeln, Lenker, Räder, Pedale und Rahmenrohre aus Aluminium und Kohlefaser.

Obwohl Easton Sports, Inc. erst 1985 gegründet wurde, geht das Unternehmen auf die Jugend von James Douglas (Doug) Easton zurück. Als er gerade mal 15 Jahre alt war, wurde Doug eher zufällig ein begeisterter Bogenschütze. Im Jahr 1921 hatte er einen Jagdunfall, bei dem er eine Schrotladung in die Beine abbekam. Während der Genesung war er die meiste Zeit des Jahres im Krankenhaus oder zu Hause. Um sich die Zeit zu vertreiben, las er das Buch von Dr. Saxton T. Pope, „Jagd mit Bogen und Pfeil„. Easton war fasziniert und als er dazu in der Lage war, begann er Bögen aus Eibenholz und Holzpfeile zu bauen. Seine Bögen und Pfeile wurden schnell bekannt. Insbesondere seine Pfeile galten bald als die besten Turnierpfeile.

Mit 17 schoss er wieder mal im Golden Gate Park in San Francisco mit dem Bogen. Dort lernte er einen älteren Mann kennen, der ihm ein Kompliment für seine selbst gebauten Bögen machte. Easton erklärte ihm, dass seine Arbeit auf der Lektüre des Buchs von Saxton Pope beruhe. Es stellte sich aber gleich heraus, dass es sich bei dem Mann um Saxton Pope persönlich handelte.

Doug Easton baute in den folgenden zehn Jahren nebenberuflich Pfeile und Bögen. Seinen Lebensunterhalt verdiente er aber als Kraftfahrer. Dann beschloss er, sich ganz der Herstellung von Bogenequipment zu widmen und zog 1932 nach Los Angeles, wo er den Eastons Archery Shop eröffnete. Nachdem sein Geschäft zu klein wurde, zog er in ein größeres Gebäude in Los Angeles. Hier begann er mit Aluminium als Pfeilmaterial zu experimentieren. Er gab Larry Hughes, dem damaligen kalifornischen Meister, seinen ersten Satz Aluminiumpfeile. In den nächsten zwei Jahren gewann Hughes mit diesen Pfeilen viele Turniere. Der Höhepunkt war der Gewinn der US-Meisterschaft 1941. Easton konnte jedoch den Erfolg von Hughes nicht nutzen, da die USA in den Zweiten Weltkrieg eintraten und das Militär in den Kriegsjahren alle Aluminiumvorräte beschlagnahmte.

Ein Jahr nach Kriegsende, als endlich wieder Aluminium erhältlich war, setzte Easton seine Arbeit fort. Bald hatte er auch den ersten markenrechtlich geschützten Aluminiumschaft, den 24SRT-X. 1949 stellte Easton die Herstellung fertiger Pfeile ein und stellte nur mehr Schäfte her. 1953 gründete er das Unternehmen als Jas. D. Easton Archery. Aber es war immer noch ein Ein-Mann-Betrieb. Der 24SRT-X war jedoch so erfolgreich, dass er 1956 seine ersten beiden Vollzeitkräfte einstellte. Schon ein Jahr später brauchte er wieder mehr Platz und verlegte das Geschäft nach Van Nuys, wo er ein neues 10.000 m2 großes Gebäude übernahm. Im Laufe des nächsten Jahrzehnts stellte er den XX75 vor, der der meistverkaufte Pfeilschaft der Geschichte werden sollte.

Easton wollte eigentlich keine externen Leute, die auch die Geschäfte mit leiten sollten, anstellen. So versuchte er, seinen Sohn Jim, der inzwischen Ingenieurswissenschaften studierte, davon zu überzeugen, das College zu verlassen und für ihn zu arbeiten. Jim lehnte ab, nahm eine Stelle bei einem Flugzeughersteller an und beendete sein Studium. Nach seinem Abschluss behielt er seinen Job noch fünf Jahre. Erst 1960 ging er zu seinem Vater zurück.

Die beiden gerieten bald in Konflikt über die Ausrichtung des Geschäfts. Jim hatte die Idee das Unternehmen über das Bogenschießen hinaus zu erweitern. 1964 begann Easton Skistöcke aus Aluminium herzustellen. Und man verließ sogar den Sportbereich, als Easton sein Know-how für den Bau eines Seismometers bei der Apollo-Mondlandung zu Verfügung stellte. 1969 begann man mit der Produktion von Aluminium-Baseballschlägern. Obwohl Easton die Aluminiumschläger nicht erfunden hatte, versuchte man aber die Technologie weiterzuentwickeln. Der Vorteil gegenüber Holzschlägern bestand darin, dass sie nicht brachen. Sie waren anfangs zu schwer und schlecht ausbalanciert. Die Ingenieure von Easton arbeiteten an dem Problem und entwickelten schließlich ein Herstellungsverfahren, um die Wände des Schlägers dünner zu machen und gleichzeitig ihre gebogene Form beizubehalten. Als man die technischen Probleme des Aluminiumschlägers endlich gelöst hatte, starb der Firmengründer Doug Easton 1972 an Krebs und hinterließ seinem Sohn Jim das Unternehmen.

Doug Eastons erstes Geschäft 1932 in Los Angeles Werbung für Aluminium-Pfeile von Easton aus den 1970er-Jahren Doug Easton beim Pfeilbauen

Eine Zeitlang versuchte Jim seine Kompetenzen beim Ziehen von Aluminiumrohren zu verkaufen. Easton positionierte sich als ein Unternehmen, das diese Prozesse besser anbieten konnte als andere Firmen. Was aber nur dazu führte, dass Easton nur mehr Auftragnehmer für andere Unternehmen war. Aus dieser Erfahrung heraus kam Jim zum Entschluss, die Energie besser in die eigene Produktentwicklung zu stecken. 1976 begann man mit der Herstellung von Zeltrohren und wurde zwei Jahre später von Prince mit der Produktion von Aluminium-Tennisschlägerrahmen beauftragt. In den späten 1970er-Jahren begann man einen Hockeyschläger zu entwickeln.

In den 1980er-Jahren expandierte das Unternehmen. 1983 kaufte man die Hoyt Archery Company, einen Hersteller von High-End-Bögen und Zubehör. Zwei Jahre später erwarb Easton Curley-Bates, seinen Händler für Aluminiumschläger. Das Unternehmen wurde in Easton Sports, Inc. umbenannt. Jim Easton plante, das Unternehmen zu erweitern und setzte sich große Ziele. Easton Sports sollte zum weltweit führenden Hersteller von Sportartikeln für Mannschaftssportarten werden. Um diese Ambitionen zu fördern, musste der Markenname Easton aber noch bekannter werden. Die Produktlinien sollten auf alle Jahreszeiten ausgeweitet und das Unternehmen international präsent sein. Ende 1987 eröffnete deshalb Easton Sports ein automatisiertes Lager in Salt Lake City, um die Produkte des Unternehmens besser vertreiben zu können.

1986 wurde Easton Sports Canada gegründet und das Unternehmen begann mit der Produktion von Mast- und Gabelbaumrohren für Surfbretter und Fahrradrahmenrohre. Easton versuchte, eine eigene Fahrradlinie auf den Markt zu bringen, stellte jedoch bald fest, dass die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben war. Die Rahmen waren einfach zu teuer. 1990 wurde daher das verlustreiche Geschäft eingestellt. Im Jahr 1990 eröffnete das Unternehmen das Easton Sports Lab, um seine Forschungs- und Entwicklungsbemühungen voranzutreiben. Easton verzeichnete 1977 einen Umsatz von 13 Millionen US-Dollar, der bis 1991 auf über 100 Millionen stieg.

Easton dominierte weiterhin den Markt für Aluminiumpfeile mit einem Marktanteil von 80 Prozent und produzierte jährlich rund 16 Millionen Aluminiumpfeile. 1992 verwendeten neun von zehn olympischen Bogenschützen Easton-Pfeile. Von 1972, als Bogenschießen als olympische Sportart wieder eingeführt wurde, bis 1992, benutzte jeder Goldmedaillengewinner Easton-Pfeile. Insgesamt machten Bogensportprodukte 30 Prozent des Gesamtumsatzes von Easton aus. Das Unternehmen expandierte 1995 abermals mit der Übernahme des französischen Pfeilherstellers Beman.

In den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren expandierte Easton in verschiedene Richtungen. 1998 stieg das Unternehmen in das Zubehörgeschäft für Fahrradkomponenten ein. Zur Ergänzung wurden Zeltstangen und anderes Zubehör sowie Schneeschuhe mit einer Aluminiumlegierung hinzugefügt. Im Hockeysegment fügte Easton Bekleidungs- und Ausrüstungstaschen ein. Easton blieb zwar ein relativ kleiner Akteur in der Sportartikelindustrie, genießt jedoch hohes Ansehen für seine Technologie- und Marketingkompetenzen. Im Laufe der Jahre interessierten sich immer wieder Investoren, die das Unternehmen kaufen wollten. Das Unternehmen blieb aber in Privatbesitz.

Im Jahr 2006 wurden Easton Sports, Bell Sports und die Riddell Sports Group zu Easton-Bell Sports, Inc. zusammengeführt. Mit 31 Niederlassungen und einem Gesamtumsatz von über 750 Millionen US-Dollar hat sich Easton-Bell Sports als weltweit führender Anbieter von Design, Entwicklung und Vermarktung von Leistungssportgeräten und einem breiten Spektrum an Zubehör für Sport- und Freizeitaktivitäten entwickelt.
Die dritte Generation trat mit Greg 1989 in das Unternehmen ein. Er hatte dabei verschiedene Positionen im Unternehmen inne. Greg wurde 1964 geboren und hat einen Bachelor of Arts in Wirtschaftswissenschaften und einen Master in Betriebswirtschaftslehre. „Als ich jung war, sagte mir mein Vater, dass weniger als 10 Prozent der Familienunternehmen es jemals in die dritte Generation schaffen", sagt Greg Easton in einem Interview. Und er hat diesen Übergang geschafft. Im Jahr 2022 steht nun das 100-jährige Jubiläum des Unternehmens an.

Aber Mitte der 90er Jahre stieg Easton in die Carbontechnologie ein und entwickelte sie weiter, was die Pfeilherstellung revolutionieren sollte. Das Ergebnis waren schließlich die Entwicklung des ersten Aluminium-Carbon-Schafts und des erfolgreichsten Turnierschafts der Geschichte, dem X10. Mit diesem Pfeil wurden seit 1996 alle olympischen Medaillen gewonnen.

Im Jahr 2002 übernahm Greg, der einige Zeit damit verbracht hatte, alle Familienunternehmen kennenzulernen, das Ruder von Easton Technical Products (Easton, Hoyt und Delta-McKenzie). Greg wurde 2011 Chef der Konzernmutter Jas. D. Easton. Er will, dass sich Easton auf absehbare Zeit auf eine kontinuierlich innovative, in den USA hergestellte, Pfeilfertigung konzentriert.

Sowohl Jim als auch Greg engagierten bzw. engagieren sich enorm in vielen Funktionen für den Bogensport. Jim war Präsident der FITA (heute WA) und Mitglied des internationalen Olympischen Komitees. Greg ist derzeit Executive Board Member in der WA.

Fahrradkomponenten sind im Portfolio von Easton. Easton stellt auch Eishockeyschläger her. Easton stellt auch Eishockeyschläger her.

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