Entfernungen schätzen oder erkennen
Wieso ist das „Wissen„ um die Entfernung so wichtig? Beim Schießen hängt die Höhenlage der Treffer vom Abschusswinkel ab. Die Einen müssen dazu die Entfernung für ihre Zielmethode möglichst genau in Metern wissen, die Anderen, die instinktiv zielen oder Gap Shooter sind, müssen ein Gefühl für die Entfernung haben. Weiß man weder die Entfernung in Metern, oder hat kein Gefühl dafür, wird auch die Einstellung des Winkels, egal ob es als Systemschütze ist oder man es unterbewusst oder gefühlsmäßig macht, nicht funktionieren.
Fehlerquellen
Das Auge unterscheidet die verschiedenen Entfernungen, in denen ein Gegenstand sich befindet:
- Nach dem Gefühl der bei der Beobachtung notwendigen Anstrengung bei der Anpassung der Augenlinse an die Entfernung (Akkommodation),
- nach dem Gefühl für die Unterschiede in den Sehachsen beider Augen (Konvergenz),
- nach dem auf Grund von Erfahrung bekannten Eindruck, den Gegenstände in verschiedenen Entfernungen hervorrufen,
- nach dem Sehwinkel
- und der scheinbaren Größe.
Diese Umstände unterstützen sich gegenseitig. Die Zuverlässigkeit kann man durch Übung erlangen, indem man Erfahrung im Vergleichen der Eindrücke sammelt. Wir alle haben unterschiedliche sensorische Fähigkeiten. Entfernungsschätzen ist also je nach Veranlagung sehr individuell ausgeprägt. Das bedeutet, dass ein jeder unterschiedlich gut mit den verschiedenen Schätztechniken zurechtkommt. Man braucht dazu Erfahrung und es sollte deshalb immer wieder geübt werden. Dazu kann man die verschiedensten Methoden zwar relativ leicht, jedoch nicht unmittelbar sicher anwenden.
Hat man immer gleichartige Verhältnisse, ist es noch relativ einfach. Bei wechselnden Verhältnissen dagegen, kann man sich trotz Übung sehr stark irren. Die Entfernungsschätzung ist eine Erfahrungssache. Will man es lernen, sollte man gezielt ans Werk gehen, das heißt, man sollte es gründlich üben. Dazu ist es erforderlich, dass man im selben Gelände mit verschiedenen Entfernungen, und mit gleichen Entfernungen in verschiedenen Geländen wiederholte Übungen macht.
Darüber hinaus hängt das Ergebnis von mehreren Faktoren, wie z.B. von der Witterung oder der Umgebung ab. Durch unterschiedliche Bedingungen in der Natur neigt der Mensch dazu, Entfernungen falsch einzuschätzen. Dabei können die Entfernungen sowohl unter also auch überschätzt werden. Die Tabelle „Fehlerquellen" soll hier ein Anhaltspunkt sein, unter welchen Umständen Fehleinschätzungen häufig auftreten. Unterschätzt man die Entfernung, geht der Pfeil zu tief, überschätzt man sie hingegen, geht er zu hoch. Letzteres ist vor allem bei schlechter Sicht zu beobachten.
| Unterschätzen bei … | Überschätzen bei … |
|---|---|
|
klarer Luft hellem Hintergrund offenem, unstrukturiertem Gelände (Wiese) Wasserflächen Schnee Bergabschüssen Sonnenschein, besonders mit Sonne im Rücken großen Zielen ... mehr dazu |
trüber, diesiger Luft dunklem Hintergrund strukturiertem Gelände Nebel Bergaufschüssen Dämmerung kleinen Zielen |
Entfernung schätzen
Dabei versucht man mit unterschiedlichen Methoden die Entfernung möglichst genau in Metern abzuschätzen. Es bedarf natürlich einiger Übung, um das auch tatsächlich zu beherrschen.
Fünf- oder Zehn-Meter-Methode
Eine einfache Variante besteht darin, die Entfernung in Fünf-Meter-Teilstrecken zu zerlegen. Die Summe der Teilstrecken ergibt die Gesamtstrecke. Um Fehler zu vermeiden, kann man die Unterteilung zum Ziel und ein zweites Mal vom Ziel zum eigenen Standpunkt durchführen. Dabei muss man aber eine Fünf-Meter-Strecke sehr genau bei jeder Geländegegebenheit abschätzen können. Das bedeutet, dass ich das auch sehr intensiv üben muss.
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Halbierungsmethode
Man stellt sich genau zum Abschuss und schaut in Richtung Ziel. Nun tritt man rund einen Meter vom ursprünglichen Standort nach rechts und betrachtet die Linie am Boden rund einen Meter links vom Ziel. Dabei merkt man sich am Boden liegende Steine, Grasbüschel usw., die in etwa in der Mitte der Strecke liegen.
Dann tritt man einen Meter zur anderen Seite, betrachtet die Linie am Boden rund einen Meter rechts vom Ziel und merkt sich wieder Punkte am Boden. Dort, wo sich díe gedachten Linien treffen, muss die Mitte der Entfernung sein.
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Daumensprung
Beim Daumensprung ist das Verhältnis zwischen Augenabstand und der Abstand Augen zu Daumen nützlich. In der Regel beträgt nämlich der Augenabstand rund ein 1/10 des Abstandes zwischen Auge und ausgestrecktem Daumen. Dies vorausgesetzt, misst man die Entfernung zu einem Ziel wie folgt:
Man richtet den ausgestreckten Arm und Daumen auf das Ziel. Dabei sollte man eine der beiden Daumenseiten als Referenzseite annehmen. Nun schließt man das linke Auge und hält die linke Seite des Daumens an die linke Seite des Ziels.
Schließt man nun das rechte Auge und öffnet das linke, macht der Daumen einen Sprung nach rechts. Dieser Querabstand oder Daumenversatz entspricht nunmehr rund einem 1/10 des Längsabstandes, entsprechend dem Verhältnis zwischen Augenabstand und Abstand Augen – Daumenabstand.
Man muss nun den Abstand zwischen dem Daumenversatz schätzen und erhält mit einem Faktor multipliziert die Entfernung.
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Zeigemethode 1
Man zeigt mit dem Finger auf ein Ziel und beobachtet den Unterschied zwischen Finger und Ziel. Dabei ist natürlich der Finger unter dem eigentlichen Ziel. Aus dem Wissen um die Größe des Ziels und dem Abstand des Fingers zum Ziel kann man ungefähr die Entfernung ableiten. Das funktioniert aber nur bis zu einer bestimmten Entfernung. Als Faustregel könnte man hier seine Nullpunktentfernung nehmen, also die Entfernung bei der man beim Systemschießen genau mit der Spitze auf das Ziel zeigen kann. Das hängt natürlich auch von der Leistungsfähigkeit des Bogens ab.
Zeigemethode 2
Diese Methode funktioniert ähnlich wie Methode 1. Man zeigt hier allerdings mit geschlossenen Augen auf ein Ziel. Dabei soll der Arm gefühlsmäßig immer in einem bestimmten Winkel gehoben werden. Die Armposition kann z.B. auf 30 Meter eingeübt werden. Nun öffnet man die Augen und sieht den Abstand des Fingers zum eigentlichen Ziel. Daraus kann man die Entfernung wie bei Methode 1 ableiten.
Entfernungen erkennen
Schießt man einige Zeit, bekommt man ein Gefühl für die Entfernung. Da es nur ein Gefühl ist, ist das Wissen um genaue Meter nicht notwendig. Man sollte nur entscheiden können, ist es sehr weit, weit, eine mittlere Entfernung oder auch sehr nahe. Und das hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen ist es das Niveau, auf dem man schießt. Jemand, der jeden Monat einmal auf einen Parcours geht, wird hier sicher Nachteile haben. Auch verliert man diese Fähigkeit wieder etwas, wenn man lange nicht schießt.
Zum andern spielen hier äußere Faktoren eine Rolle. Einfluss haben dabei die bekannte oder auch unbekannte Umgebung oder Vegetation. Wer auf 3-D-Scheiben schon oft geschossen hat, wird sich auch hier leichter tun. Aus all diesen Umständen leitet das Unterbewusstsein ein Gefühl für die Entfernung ab.
Gegner beobachten
Schießt man mit Leuten in einer Gruppe, kann man relativ schnell die Leistungsfähigkeit von einzelnen Schützen einordnen. Man kennt die Leistungsfähigkeit des Bogens und das Leistungsniveau. Hat man nun das Glück, mit etwa gleich guten Schützen unterwegs zu sein, ist das in einem Turnier von großem Vorteil.
Es geht hier vor allem darum, bei sehr weiten Entfernungen seine Schlüsse zu ziehen. Beispiel für so eine Situation gefällig? Bei einer Gruppe 1-Scheibe (IFAA bis 54 m) weiß man nicht so recht, ob es noch im persönlichen Schussbereich liegt oder nicht. Hat man verschiedene Zielmethoden, hängt diese natürlich von der Entfernung ab. Nun schießt ein Kollege mit ähnlich starkem Bogen und ähnlichem Leistungsniveau vor. Der Pfeil geht zu tief. Das kann schon ein Hinweis darauf sein, dass es weit ist. Schießt er den zweiten Pfeil wieder zu tief, kann man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass es wirklich weit ist. Hat man das Glück, dass noch ein weiterer Kollege vorschießt und dem passiert das Gleiche, weiß man es genau. Und darauf muss man dann selbst reagieren. Der eine zielt oder schaut höher, der andere steigt für den einen Schuss auf Systemschießen z.B. Point of Aim um.
Vergleichssituation 1
Kennt man beispielsweise ein 3-D-Ziel nicht, wird es sehr schwierig, ein Gefühl für die Entfernung zu haben. Das Unterbewusstsein vergleicht ja die neue Situation mit bereits gemachten Erfahrungen. Steht beispielsweise ein Bär auf einer Wiese ohne Anhaltspunkte, wie einem vertraute Bäume oder Sträucher, könnte es passieren, dass das Unterbewusstsein diesen – obwohl nur einen Dreiviertelmeter hoch – als normal groß einschätzt. Und dementsprechend ist die gefühlte Entfernung dann sehr groß. Ergebnis: Man ballert drüber. Stehen aber zufällig andere Schützen an diesem Ziel, hat man schon gewonnen. Man weiß sofort, wie groß das Ziel ist, obwohl man es bisher noch nie gesehen hat. Also: Ergibt sich die Situation, sollte man eher warten, bis Leute davorstehen.
Vergleichssituation 2
Man schießt häufig auf einem Parcours. Hier hat man schon längst ein Gefühl für jede Entfernung. Man braucht gar nicht mehr nachzudenken. Nun gibt es für jeden Schützen knifflige bzw. schwierige Situationen. Der eine hat Probleme bei weiten Schüssen, der andere, wenn er bergab schießt und ein Dritter, wenn es bergauf geht.
Was liegt also näher, als sich auf dem Hausparcours diese Situationen genau einzuprägen und bei Bedarf mit neuen Situationen zu vergleichen. Man könnte hier feststellen: Der Bison wirkt genau so, wie bei meiner Vergleichsscheibe. Also werde ich gleich schießen.
Erinnerungsmethode
Man versucht bestimmte Merkmale auf einem 3-D-Tier zu erkennen. Wichtig ist das vor allem bei weiten Entfernungen. Kann man beim Bison beispielsweise den kleinen Kill nicht mehr erkennen, muss die Scheibe in einer bestimmten Entfernung stehen. Das bedeutet aber, dass man die Ziele kennen muss. Auch muss man sich einzelne Details merken und es geübt haben.
Nach einem Fehlschuss Entfernungen korrigieren
Hat man bereits geschossen und der Pfeil landet nicht dort, wo man ihn haben wollte, sollte man natürlich wissen, woran es gelegen haben könnte. Richtungsabweichungen sind in der Regel Schussfehler. Geht der Pfeil zu hoch oder zu tief, hat unter Umständen der Abschusswinkel nicht gestimmt. Wenn er zu tief gegangen ist, könnte es aber auch der fehlende Auszug gewesen sein. Also Vorsicht! Ein Systemschütze, der mit der Pfeilspitze oder mit dem Bogenfenster zielt, müsste aus einem Fehlschuss, der beispielsweise zu tief trifft, sofort den Schluss ziehen können, dass die geschätzte Entfernung falsch war.
Jemand der instinktiv zielt, oder auch Gap Shooter – meinetwegen auch intuitiv zielt – sollte seinen persönlichen Schussbereich kennen. Das ist jene Entfernung, bis zu der ich ohne Gegenhalten (höher zielen, höher schauen …) treffen kann. Wenn ich diesen Bereich gut abschätzen kann, sollte es eigentlich kein Problem sein, einen zu kurzen Schuss richtig einzuordnen.
Es dürfte nicht 3-D passieren: drüber, drunter und daneben. Oft kommt es vor, dass jemand zu kurz schießt. Die Überlegung, die der Schütze nun macht: Ist weiter als gedacht, muss ich etwas höher gehen. Gleichzeitig konzentriert er sich auf eine gute Technik und der Schuss geht drüber. Man sollte also erkennen, ob es am fehlenden Auszug oder an der Entfernung lag.
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